Rede
Grußworte des Landesvorsitzenden Christoph Gufler bei der Klausur der ArbeitnehmerInnen am 24.07.2010
Hans Grießmair, der Vater des Südtiroler Volkskundemuseums in Dietenheim, hat seine Dissertation dem Thema "Knecht und Magd in Südtirol" gewidmet. Darin zitiert er die Tiroler Dienstbotenordnung von 1879. Deren Artikel 16 besagt:Der Ehehalte muß seine Truhe im Haus aufbewahren und der Dienstgeber hat das Recht, sie ohne Angabe eines Grundes zu durchsuchen. Als "Ehehalte" bezeichnete man die Dienstboten, also die früher zahlreichen Knechte und Mägde.
Die erwähnte "Truhe" war in der Regel der einzige persönliche Besitz derselben. Mir ist diese lange gebräuchliche Bestimmung in Zusammenhang mit der sogenannten Bankenkrise eingefallen.
Haben sich da nicht auch "Dienstgeber" munter aus der Truhe der Kleinsparer bedient? Und ist es nicht nach wie vor so, dass diejenigen, welche die Truhe der öffentlichen Haushalte füllen andere sind als die welche die Truhe dann ausleeren? Ich weiß nicht, aber so ganz scheint mir das Thema "Knecht und Magd" noch nicht der Vergangenheit anzugehören.
Dabei war es schon lange nicht mehr so wichtig, wer die Truhe füllt und wer sie ausleert. Das werden wir spätestens anhand des nächsten Landeshaushaltes sehen. Der Staat hat ja mit seinem Sparpaket schon klar gezeigt wie man das macht. Dabei schreiben wir das Jahr 2010 und nicht 1879. Und anstelle der damaligen Dienstbotenordung haben wir seit lange ein allgemeines Wahlrecht, welches die Sache mit der Truhe eigentlich klar regelt.
Wie kann es dann sein, dass wir trotzdem in der größten Krise stecken, die es seit den dreißiger Jahren des vorigen Jahrhunderts gegeben hat?
Die ganze Rede des Vorsitzenden Christoph Gulfer kann als PDF heruntergeladen werden.